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Aktuelles

Bitte aussteigen! Schulweg ohne Elterntaxi


 

Zum Schulstart steigt vor vielen Schulen wieder das Verkehrsaufkommen. Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto bis vor das Schultor aus Sorge um deren Sicherheit, aus Zeitgründen, bei schlechtem Wetter oder weil es praktisch erscheint. Doch genau diese geballte Anzahl an Autos ist es, was die Sicherheit der Kinder gefährdet. Wie sich der Schulweg sicherer, selbstständiger und entspannter gestalten lässt, zeigt der Automobilclub KS e.V. auf.

Großes Verkehrschaos um kurz vor 8 Uhr und gegen 13 Uhr: Autos stehen vor allem vor Grundschulen Schlange, halten in zweiter Reihe, blockieren Gehwege und Übergänge. Die sogenannten Elterntaxis sind gut gemeint, können für Kinder auf dem Schulweg jedoch selbst zum Sicherheitsrisiko werden. Denn die Kinder müssen dadurch oft zur verkehrszugewandten Seite aus dem Auto aussteigen, sich zwischen kreuz und quer haltenden Autos hindurchschlängeln und mit einer Verkehrssituation fertigwerden, die gerade für jüngere Kinder unübersichtlich und überkomplex ist. Im Winter, wenn Kinder besonders häufig zur Schule chauffiert werden, kommen noch schlechte Sichtverhältnisse hinzu. „Dabei sind sich die Menschen so einig wie sonst selten: Laut dem TÜV-Verband sind 92 Prozent der Deutschen der Meinung, dass Eltern ihre Kinder zu häufig zur Schule fahren. Stattdessen sollten Kinder den Schulweg so früh wie möglich selbstständig bestreiten“, sagt Isabella Finsterwalder, Pressesprecherin des Automobilclub KS e.V.

Schulweg ist Verkehrstraining 

Den täglichen Weg zur Schule selbst zurückzulegen, hat gleich mehrere Vorteile für die Grundschüler: Zum einen ist es schlichtweg Bewegung, die die Kinder auf dem Rücksitz nicht bekommen. Zum anderen aber sammeln die Kinder dabei wichtige Erfahrungen: Sie lernen Entfernungen und Geschwindigkeiten einzuschätzen, Verkehrsregeln anzuwenden und eigenständig Entscheidungen zu treffen. Nicht zuletzt ist der Schulweg für Kinder auch ein wichtiger sozialer Raum und stärkt ihre sozialen Beziehungen: Sie treffen Freunde, tauschen sich aus und schließen Freundschaften auch außerhalb des Klassenzimmers.

Lösungsansätze, um Elterntaxis zu vermeiden

Damit mehr Kinder sicher und selbstständig zur Schule gelangen können, braucht es Lösungen, die Eltern und Kindern den Umstieg erleichtern. Dazu gehört besonders, den Schulweg gemeinsam einzuüben: Eltern sollten mit ihren Kindern frühzeitig vor dem Schulstart einen sicheren Weg auswählen und so lange gemeinsam einüben, bis die Kinder sicher eigenständig zur Schule und zurück gelangen. Wenn Kinder später aber trotzdem nicht allein zur Schule gehen sollen, sind Laufgemeinschaften bzw. Fußbusse eine praktische Lösung: Die Kinder können sich an festen Treffpunkten verabreden und gemeinsam zur Schule gehen. Zunächst kann die Gruppe auch noch von einem Erwachsenen begleitet werden, wenn Bedenken bestehen, ob sich die Kinder auch als Gruppe ausreichend auf den Verkehr konzentrieren. So müssen sich zudem die Eltern weniger Sorgen machen. Ebenfalls gefragt sind die Kommunen, wenn es darum geht, die Schulwege auch baulich sicher zu gestalten: Die beinhaltet beispielsweise sichere Querungsstellen, gegebenenfalls mit Ampeln oder Zebrastreifen, übersichtliche und sichere Gehwege und Radwege bis hin zu guter Beleuchtung bei Dämmerung. An Schulbushaltestellen und direkt vor Schulen an vielbefahrenen Straßen, aber auch anderen gefährliche Straßenstellen auf dem Schulweg können auch ehrenamtlich tätige Schulweglotsen hilfreich sein, die den Verkehr absichern und gleichzeitig einen Vorbildfunktion für die Schüler haben. Wird der Verkehr vor einer Schule zu den Stoßzeiten allzu unübersichtlich, kommen auch Schulstraßen bzw. temporäre Sperrungen in Frage.

Elternhaltestellen als pragmatischer Kompromiss

Trotz aller Maßnahmen, wird es sich nie ganz vermeiden lassen, dass Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht werden – etwa wenn die Eltern einen Meeting haben, das Kind direkt nach der Schule einen Arzttermin hat oder man morgens schlichtweg mal zu spät dran ist. Was hier den Verkehr entzerren kann, sind Elternhaltestellen oder Kiss-and-Go-Zonen, die extra als Hol- und Bringzonen ein Stück vom Schultor entfernt ausgewiesen sind und so den direkten Autoverkehr vor der Schule reduzieren. „Elternhaltestellen können eine Alternative sein, die von vielen Schulen bereits praktiziert wird. Eine Diskussion darüber, welche Eltern es richtig oder falsch machen, ist nicht zielführend. Entscheidend ist, dass die Kinder lernen, selbstständig mobil zu werden und zu sein – und das möglichst sicher. Darum sind generell alle dazu aufgerufen, besonders auf Kinder im Straßenverkehr Rücksicht zu nehmen“, resümiert die Pressesprecherin des Automobilclub KS e.V.